Von der Vor- und Nachfreude

Wer kennt es nicht, das Sprichwort „Vorfreude ist die schönste Freude“? Unsere globalisierte Konsumgesellschaft ist sehr auf Vorfreude ausgerichtet. Wir brauchen immer wieder neue Wünsche, auf die wir uns freuen können, auch damit die Konsumgesellschaft am Laufen bleibt. Die Werbung leistet gekonnt ihren Beitrag dazu. Es lohnt sich aber auch über Nachfreude nachzudenken. Was ist mir in meinem Leben alles gelungen? Was habe ich erlebt? Was habe ich geschaffen? Welches Leid habe ich durchlitten? Was ist mir erspart geblieben? Der Rückblick zeigt oft, dass unsere „Scheune der Vergangenheit“, eine von Viktor E. Frankl verwendete Metapher, sehr voll ist. Dieser Rückblick auf eine volle Scheune in Dankbarkeit kann zu Nachfreude führen, die nachhaltiger ist als die oft sehr schnelllebige Vorfreude.


Die volle Scheune der Vergangenheit? Bad Hofgastein im September 2020

© Harald Niederl

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